Welcher Wein lässt den Blutdruck steigen? Die Antwort ist nicht die, die viele vermuten

Wednesday 26 August 2026 10:00 - Daniele Mainieri
Welcher Wein lässt den Blutdruck steigen? Die Antwort ist nicht die, die viele vermuten

Bei einem Glas Wein stellt sich oft die Frage: Welcher Wein lässt den Blutdruck steigen? Der vollmundige Rotwein? Der frische Weißwein? Der Sekt zum Aperitif? Die Antwort hängt weniger von der Farbe als vielmehr von den Gewohnheiten ab. Für den Blutdruck spielen vor allem die Alkoholmenge, der Alkoholgehalt, die Häufigkeit des Konsums und die Speisen, die man zum Wein isst, eine Rolle.

Das bedeutet nicht, jeden Toast zu einem Problem zu machen, sondern bewusster zu trinken. Für Liebhaber der guten Küche hilft das Verständnis des Zusammenhangs zwischen Wein und Bluthochdruck dabei, bessere Entscheidungen zu treffen, Exzesse zu vermeiden und Fakten von Klischees zu unterscheiden.


Die Farbe des Weins spielt eine geringere Rolle als der Alkoholgehalt

Viele glauben, dass Rotwein automatisch „schwerer“ und Weißwein leichter sei. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Es gibt Weißweine mit hohem Alkoholgehalt, delikate Rotweine, sehr süffige Roséweine und Schaumweine, die zwar leicht wirken, aber zu einem schnelleren Konsum verleiten können.

Entscheidend ist die insgesamt aufgenommene Alkoholmenge. Ein großes Glas Wein mit 14 oder 15 Volumenprozent wiegt mehr als ein kleines Glas Wein mit moderatem Alkoholgehalt. Deshalb lautet die richtige Frage nicht nur „Rot- oder Weißwein?“, sondern auch: Wie viel trinke ich, wie oft und in welchem Zusammenhang?

Alkohol kann zu einem Anstieg des Blutdrucks beitragen, insbesondere bei regelmäßigem oder übermäßigem Konsum. Zu den wichtigsten Empfehlungen zur Blutdruckkontrolle gehört daher die Reduzierung oder der Verzicht auf Alkohol, insbesondere wenn die Werte bereits erhöht sind.

Rot, Weiß, Rosé und Sekt: Was ändert sich wirklich?

Was den Geschmack angeht, sind die Unterschiede offensichtlich. Ein Rotwein kann mehr Struktur und Tannine aufweisen, also jene Stoffe, die am Gaumen ein trockenes und leicht raues Gefühl vermitteln. Ein Weißwein kann dank seiner Säure frischer sein – vereinfacht gesagt ist das das spritzige Gefühl, das Lust auf einen weiteren Schluck macht. Schaumweine sorgen für Leichtigkeit und Unmittelbarkeit.

Was den Druck betrifft, spielen diese Eigenschaften jedoch eine geringere Rolle als der Alkoholgehalt und die getrunkene Menge. Selbst ein Wein, der als frisch oder „leicht“ empfunden wird, kann sich bemerkbar machen, wenn man mehrere Gläser trinkt.

Zu den Bläschen gehört noch ein praktischer Hinweis: Gerade weil sie als Aperitif so angenehm sind, kann man sie schnell trinken. In diesem Fall geht das Risiko nicht von den Bläschen aus, sondern davon, dass sich der Alkohol unbemerkt ansammelt.

Was man beachten sollte, bevor man ein Glas einschenkt

Um bewusster zu trinken, muss man kein Experte sein. Es reichen schon ein paar einfache Gewohnheiten, die vor allem für diejenigen nützlich sind, die ihren Blutdruck im Auge behalten oder übermäßigen Alkoholkonsum reduzieren möchten.

  • Achten Sie auf den Alkoholgehalt: Ein Wein mit 11–12 % vol unterscheidet sich von einem mit 14–15 % vol.
  • Reduzieren Sie die Menge im Glas: Ein Weinglas sollte nicht bis zum Rand gefüllt werden.
  • Verzichte auf den automatischen Nachschlag: Oft wird das zweite Glas ohne wirkliches Nachdenken getrunken.
  • Trinken Sie abwechselnd Wasser: Das hilft, langsamer zu trinken und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
  • Vorsicht bei herzhaften Aperitifs: Chips, Wurstwaren und gereifter Käse können die Situation verschlimmern.
  • Trinken Sie nicht auf nüchternen Magen: Wein lässt sich besser vertragen, wenn er zu einer ausgewogenen Mahlzeit getrunken wird.

Diese Maßnahmen schmälern den Genuss des Weins nicht. Im Gegenteil: Sie helfen dabei, ihn besser zu genießen und ihn bewusster in den Alltag zu integrieren.

Der Mythos, dass Rotwein gut für das Herz ist

Rotwein wird oft mit Polyphenolen in Verbindung gebracht, natürlichen Verbindungen, die in Trauben und vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Es handelt sich zwar um interessante Substanzen, doch machen sie den Wein nicht zu einem Getränk, das zum Schutz des Herzens oder zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt werden sollte.

Der Grund dafür ist einfach: Wein enthält auch Alkohol. Um Polyphenole aufzunehmen, muss man keinen Wein trinken: Sie sind auch in Obst, Gemüse, Tee, Kakao und anderen Lebensmitteln enthalten. Deshalb ist es besser, nicht mit dem Gedanken anzufangen zu trinken, man würde dadurch gesundheitliche Vorteile erzielen.

Wer Wein liebt, kann ihn als gastronomischen Genuss erleben, nicht als Heilmittel. Der Unterschied ist wichtig: Es ist eine Sache, ein kleines Glas zum Essen zu genießen, eine andere, zu glauben, dass Wein ungesunde Lebensgewohnheiten ausgleichen könnte.

Wein und Essen: Kombinationen, die dabei helfen, es nicht zu übertreiben

Die Art und Weise, wie man Wein zum Essen kombiniert, kann den Unterschied ausmachen. Eine sehr salzige Mahlzeit mit vielen Snacks, Wurstwaren, Fertigsauce oder gereiftem Käse ist nicht ideal für diejenigen, die auf ihren Blutdruck achten müssen. Wenn dazu noch mehrere Gläser Wein kommen, wird der Gesamteffekt noch ungünstiger.

Besser ist es, einfachere Gerichte zu wählen: gegrilltes Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, weißes Fleisch, Getreide, reichhaltige Salate, leichte Suppen oder Vorspeisen mit wenig Salz. In diesen Fällen fügt sich ein kleines Glas gut in eine ausgewogenere Mahlzeit ein.

Auch die Art des Servierens spielt eine Rolle. Ein Wein, der bei der richtigen Temperatur und in moderaten Mengen serviert wird, lässt sich besser genießen. Langsames Trinken ermöglicht es, Aromen und Geschmacksnoten wahrzunehmen, ohne das Trinken zu einer automatischen Geste werden zu lassen.

Wenn der Blutdruck hoch ist, sollte man besser ärztlichen Rat einholen.

Wer unter Bluthochdruck leidet, Medikamente einnimmt oder genaue Anweisungen vom Arzt erhalten hat, sollte vorsichtig sein. In vielen Fällen ist es am sinnvollsten, den Alkoholkonsum zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten, insbesondere wenn sich die Werte nur schwer kontrollieren lassen.

Nicht jeder reagiert gleich. Alter, Gewicht, Schlaf, Stress, körperliche Aktivität, Ernährung und Therapien können die individuelle Reaktion beeinflussen. Deshalb gibt es keinen Ratschlag, der für jeden Menschen gilt.

Im Zweifelsfall sollte man die Frage besser dem Arzt stellen: Darf ich Wein trinken, wie viel und wie oft? Das ist eine konkrete Anfrage, die viel hilfreicher ist, als sich auf allgemeine Regeln oder Ammenmärchen zu verlassen.

Alternativen für den Toast, ohne auf den Genuss zu verzichten

In den letzten Jahren hat sich das Angebot für diejenigen erweitert, die ihren Alkoholkonsum einschränken möchten, ohne sich dabei vom geselligen Beisammensein ausgeschlossen zu fühlen. Alkoholfreie Weine, gut servierte alkoholfreie Getränke, mit Zitrusfrüchten und Kräutern aromatisiertes Wasser, ungesüßter Eistee und einfache Mocktails können Aperitifs und Abendessen auf angenehme Weise begleiten.

Sie müssen nicht unbedingt den Wein imitieren. Sie können eine eigene Identität haben, vor allem, wenn sie gut serviert werden: passendes Glas, Eis, wenn nötig, Zitronenschale, frische Kräuter, feine Gewürze. Auch die Art des Servierens zählt, denn oft hängt der Genuss des Weins vom Rhythmus des Essens und der Gesellschaft ab.

Was man vor dem nächsten Toast beachten sollte

Auf die Frage, welcher Wein den Blutdruck erhöht, lautet die hilfreichste Antwort: Es gibt keinen einzigen „schuldigen“ Wein. Entscheidender sind die Menge, der Alkoholgehalt, die Häufigkeit des Konsums und die Ernährungsgewohnheiten.

Ein sehr alkoholreicher Wein, der häufig in großen Gläsern und zusammen mit sehr salzigen Speisen getrunken wird, kann problematischer sein als ein kleines Glas gelegentlich im Rahmen einer ausgewogenen Mahlzeit. Die Farbe des Weins allein reicht nicht aus, um die Wirkung auf den Blutdruck zu beurteilen.

Die klügste Art, Wein zu genießen, ist nach wie vor die gastronomische: ihn gut auswählen, wenig einschenken, langsam trinken und ihn nicht als automatische tägliche Gewohnheit betrachten. So bleibt das Glas Wein ein Genuss und keine unterschätzte Unachtsamkeit.
Daniele MainieriDaniele Mainieri
Jeden Tag tauche ich in die Welt des Kochens ein und suche nach neuen Rezepten und Geschmacksrichtungen, die ich teilen kann: von Omas Gericht bis hin zu den neusten Food-Trends. Ich arbeite seit über 10 Jahren in der Lebensmittelkommunikation!

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