Pfannkuchen oder Eierkuchen, Berliner oder Krapfen, wo man in Deutschland was sagt

Sunday 8 November 2026 09:00 - Vincent Sabourdy
Pfannkuchen oder Eierkuchen, Berliner oder Krapfen, wo man in Deutschland was sagt
Sie wenden gerade einen flachen Pfannkuchen in der Pfanne, doch ein Gast aus Berlin erwartet bei diesem Wort ein gefülltes Hefegebäck. Den vertrauten Namen einfach zu wiederholen, hilft wenig: Je nach Region bezeichnet „Pfannkuchen“ etwas anderes. Auch „Berliner“ und „Krapfen“ können dasselbe Gebäck meinen. Wer die regionalen Bezeichnungen kennt, vermeidet solche Missverständnisse schon beim Gespräch über das Essen.

2 Gebäcke, 1 Wort: Woher die Verwirrung kommt

Wer in Berlin einen Pfannkuchen bestellt, bekommt meist ein rundes, mit Konfitüre gefülltes Hefegebäck. In vielen anderen Teilen Deutschlands steht unter demselben Namen ein flaches Gericht aus Ei und Mehl auf dem Tisch. Es geht also nicht nur um unterschiedliche Namen für dieselbe Speise: Das Wort „Pfannkuchen“ kann je nach Region 2 verschiedene Dinge meinen.

Das erklärt, warum eine Bestellung an der Bäckertheke oder eine Einladung zum Pfannkuchenessen missverständlich sein kann. Das flache Gericht gart in der Pfanne, der gefüllte Hefeteigball wird in Fett ausgebacken. Wer beide Speisen auseinanderhalten möchte, achtet deshalb neben dem Namen auch auf die Beschreibung.

Das flache Gericht heißt meist Pfannkuchen, im Osten oft Eierkuchen

Im größten Teil Deutschlands heißt das flache Ei-Mehl-Gericht Pfannkuchen. Besonders im Nordwesten ist auch die Form „Pfannenkuchen“ verbreitet. In den ostdeutschen Bundesländern sagen viele dagegen „Eierkuchen“, auch in Berlin und weiten Teilen des Nordostens.

Daneben gibt es kleinere regionale Wortschätze. In Sachsen und der Lausitz ist „Plinse“ oder „Plinze“ geläufig, in Teilen Thüringens „Schaffenkuchen“. Auch Bezeichnungen wie „Eierpfannkuchen“, „Eierpuffer“ und „Omelett“ kommen vor. Diese Wörter sind jedoch keine verlässliche Einkaufsliste für jedes Dorf: Regionale Sprachgrenzen verlaufen nicht überall scharf.

Der Atlas zur deutschen Alltagssprache zeigt die großräumige Verteilung von „Pfannkuchen“ und „Eierkuchen“. Seit 1990 scheint sich der Unterschied entlang der früheren innerdeutschen Grenze eher verstärkt zu haben. Das beschreibt den Sprachgebrauch, keine feste Regel für einzelne Haushalte.

Der gefüllte Hefeteigball: Berliner, Krapfen oder Kräppel?

Bei dem süßen Hefegebäck mit Konfitürefüllung kehrt sich die Bedeutung um. In Berlin, Brandenburg und weiteren Teilen Ostdeutschlands heißt es „Pfannkuchen“. Im Nordwesten, Südwesten und Westen Deutschlands ist dagegen „Berliner“ üblich. Wer dort „Pfannkuchen“ sagt, meint häufig das flache Gericht.

In Bayern lautet die Bezeichnung meist „Krapfen“ oder „Faschingskrapfen“, ebenso in Österreich und Südtirol. In Hessen ist „Kräppel“ verbreitet, eine Lautvariante von „Krapfen“. Hinzu kommen lokale Namen: Im Ruhrgebiet ist vereinzelt „Berliner Ballen“ zu hören, in der Aachener Gegend „Puffel“ oder „Öcher Puffel“. In Teilen Baden-Württembergs sowie im Raum Pfalz und Saarland sagen manche „Fastnachtsküchle“ oder „Fastnachtsküchelchen“.

Eine bundesweite Umfrage des Germanistik-Professors Stephan Elspaß aus dem Jahr 2007 macht deutlich, wie vielfältig die Bezeichnungen sind. Fast die Hälfte der Befragten gab „Berliner“ an, etwa ein Drittel „Krapfen“, „Faschingskrapfen“ oder „Kräppel“ und gut 17 % „Pfannkuchen“. Die Zahlen stammen aus dieser damaligen Umfrage und beschreiben nicht automatisch den heutigen Sprachgebrauch.

Warum verlaufen die sprachlichen Grenzen unterschiedlich?

Die beiden Speisen haben jeweils ihre eigene Namenskarte. Beim flachen Gericht stehen sich großräumig „Pfannkuchen“ und „Eierkuchen“ gegenüber. Beim gefüllten Hefegebäck kommen zu „Pfannkuchen“ und „Berliner“ noch „Krapfen“, „Kräppel“ und weitere örtliche Varianten hinzu. Deshalb lässt sich Deutschland nicht mit einer einzigen Linie in 2 Sprachgebiete aufteilen.

Die Unterschiede sind historisch gewachsen und im regionalen Sprachgebrauch erhalten geblieben. Sprachwissenschaftler haben sie kartiert: Jürgen Eichhoff veröffentlichte eine Dialektkarte in seinem „Wortatlas der deutschen Umgangssprache“, später dokumentierte auch der Atlas zur deutschen Alltagssprache die Verteilung beim flachen Pfannengericht. Solche Karten zeigen, wo ein Wort überwiegend verwendet wird, nicht, welches Wort „richtig“ ist.

Zu Silvester und Karneval wird der Name besonders wichtig

Das gefüllte Hefegebäck gehört traditionell zu Silvester und zur Karnevalszeit, besonders zu Rosenmontag und Faschingsdienstag. Zu diesen Anlässen gibt es neben Konfitüre auch Füllungen mit Eierlikör oder Schokosoße. Gerade wenn viele Menschen Gebäck für eine Feier besorgen, hilft eine genaue Bestellung: „Berliner mit Konfitüre“ oder „gefüllte Pfannkuchen“ lässt weniger Spielraum für Missverständnisse.

Um das Gebäck rankt sich außerdem eine oft erzählte Geschichte: Ein Berliner Zuckerbäcker soll es 1756 erfunden haben. Eindeutig belegt ist diese Erzählung nicht. Für die heutigen regionalen Namen ist ohnehin aussagekräftiger, wie die Menschen vor Ort das Gebäck tatsächlich nennen.

Häufige Fragen

Heißen in Berlin beide Speisen Pfannkuchen?
Üblicherweise nicht. „Pfannkuchen“ meint dort vor allem das gefüllte Hefegebäck, das flache Gericht heißt meist „Eierkuchen“. Die ausführlichere Bezeichnung „Eierpfannkuchen“ kann ebenfalls helfen, die Speisen zu unterscheiden.

Welcher Name für das gefüllte Gebäck ist am weitesten verbreitet?
In der bundesweiten Umfrage von 2007 wurde „Berliner“ am häufigsten genannt. In Berlin und Teilen Ostdeutschlands bleibt „Pfannkuchen“ jedoch die übliche Bezeichnung, in Bayern „Krapfen“ und in Hessen „Kräppel“.

Was sage ich, wenn ich die regionale Bezeichnung nicht kenne?
Beschreiben Sie das Gebäck: „das flache aus der Pfanne“ oder „das runde Hefegebäck mit Konfitürefüllung“. Das ist besonders an der Bäckertheke verlässlicher, als vorauszusetzen, dass „Pfannkuchen“ überall dasselbe bedeutet.
Vincent SabourdyVincent Sabourdy
Ich bin Mitbegründerin und Verlagsleiterin von Petitchef und habe eine große Leidenschaft für das Kochen und das Internet.

Ich mache die besten Crêpes auf der Straße.
Ich liebe zugängliche Rezepte, praktische Ratschläge und kulinarische Neuigkeiten.

Mein Ziel: die bestmögliche kulinarische Website anzubieten, um das Kochen zu einem angenehmen und gemeinsamen Erlebnis zu machen.

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